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Der Dippegucker

Gold setzt Assoziationen frei. Gold ist Geld und Symbol für Reichtum und Erfolg. Es ist ein edler Stoff, der veredelt. Es schimmert und glänzt. Es hebt. Insofern ist es schon mal kein schlechter Anfang, sein Restaurant nach dem Edelmetall zu nennen – und wenn es sich dann noch um den lateinischen Begriff „Aurum“ handelt, klingt es umso erhebender.

Erlebt der Gast hier etwa goldene Zeiten? Nun, der Besuch an der Ecke Pallaswiesen- und Liebigstraße startet zunächst mit einem Dämpfer. Zwar verheißt der zuvor emsig gestreute Werbeflyer durchgehende Öffnungszeiten, doch stoßen die Gäste am Sonntag gegen 17 Uhr auf verschlossene Türen.

Doch das Verharren lohnt sich. Denn im nächsten Moment wird aufgesperrt – und drinnen wird aufgeklärt, dass man an Sonntagen mittlerweile doch eine Mittagspause einlegt. Das erläutert Inhaberin Katina Antoniadou, eine elegante Frau in Schwarz, die sehr bemüht ist um das Wohl ihrer Gäste.

Sogleich legt sie die Grillplatte als Tagesspezialität des Hauses ans Herz. Doch das ist eher kontraproduktiv, wenn Vegetarier beteiligt sind. Denen teilt die Chefin mit leicht griechischem Akzent aufmerksamerweise mit, dass die unter der Überschrift „Vegetarisches“ zu findenden Semmelknödel mit Spinat leider auch mit Speck gemacht sind.<> Der Koch sei eben Österreicher, fügt sie an und lächelt charmant. Man wolle aber künftig auch eine Variante ohne Speck anbieten.

Glücklicherweise wird der Restaurant-Name nicht zum Anlass genommen, das Interieur mit Gold zu überfrachten. Im Gegenteil: Sehr zurückhaltend und umso wirkungsvoller wird das Titelthema aufgegriffen. Gold sind lediglich die kugelrunden Teelichthalter, von denen je einer auf einem der massiven, aber schlichten Tische aus dunklem Holz steht.

Daran sitzt der Gast auf ledergepolsterten Stühlen oder Sesseln, deren dunkelbraune Farbe sich stimmig in das Weiß der Wände und den rötlich-braun gefliesten Boden einfügt. Rustikal, aber dezent wirken die Steinarbeiten, die hier eine kleine Mauer bilden oder sich da mosaikartig über eine Wand ziehen.

Die Schlichtheit der Einrichtung setzt sich in der Karte fort. Sie ist ebenfalls angenehm übersichtlich. Mit dem Wählen muss man sich hier nicht quälen. Der Rucola-Feldsalat mit Himbeerdressing und überbackenen Ziegentalern (8,20 Euro) ist ein netter Auftakt, zu dem zwei verschiedene Brotsorten gereicht werden.

Herrlich knuspriges Knoblauchbrot gibt es zu den drei schmackhaften Königskrabben mit Salatbouquet (12,80 Euro) in einer tiefroten Tomaten-Knoblauchsoße, die sehr fruchtig und würzig ist.

Der kulinarische Anfangseindruck setzt sich bei den Hauptgerichten fort: nicht spektakulär, aber geschmackvoll. Der gegrillte Haloumi-Käse mit grünen Paprikaschoten und Preiselbeeren (7,80 Euro) hat ein feines Raucharoma und quietscht beim Kauen so, wie es bei dieser Käseart sein muss.

Leider unterscheidet sich der dazu gereichte Salat nicht groß von dem zu den Vorspeisen: Er besteht aus mehreren gezupfte Sorten von Chicoree bis Feldsalat mit einem cremigen Balsamikodressing. Ihn gibt es auch zu dem Cordon Bleu (12,80 Euro), das unter seiner klasse krossen Hülle geschmacklich nicht gänzlich zu überzeugen weiß.

Überragend und mit Abstand ein Gewinner sind indes die selbstgemachten Pommes Frites, die zum Schnitzel gehören und zum Haloumi auf Wunsch als Extra-Portion (2,40 Euro) dazukommen. Katina Antoniadou weist nicht ohne Stolz darauf hin, dass sie die leckeren Stifte jeden Tag frisch aus guten Kartoffeln vom Bauern schnitzt.

Man schmeckt das an der intensiven und leicht süßlichen Kartoffelnote, die außerdem glücklicherweise nicht in zu viel Fett ertränkt wird. Hierfür gibt es ganz klar die Fritten-Verdienstplakette in Gold.

Einen gelungenen Abschluss bieten die Desserts, bei denen der österreichische Einschlag der Küche voll durchkommt: Der Kaiserschmarren (5,80 Euro) ist luftig-süßlich und zusammen mit dem Vanilleeis, der Preiselbeer-Marmelade, ein paar Spritzern Schokosoße und Mandelsplittern eine tolle Kombination.

Das gilt auch für den Marillenknödel (3,80 Euro), der mit den gleichen Zutaten gereicht wird.

Ein bisschen mehr Abwechslung in den Beilagen würde der Küche ganz gut tun, zumal die Preise nicht gerade niedrigklassig sind. Da lässt sich so kurz nach der Eröffnung noch einiges austarieren.

Doch die Goldmedaille für die Pommes ist dem „Aurum“ so gut wie sicher. Nicht nur, weil sie fast so schön gülden schimmern wie das edle Metall.

Bitte beachten Sie das Datum des Artikels. Der Bericht der Dippegucker ist eine Momentaufnahme. Das Angebot, die Öffnungszeiten und die Preise können sich verändert haben.

QUELLE:  Echo-online

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